Eigensicherung

Risiko Blaulicht - Rettungskräfte als Zielscheibe der Gewalt

Ein Phänomen breitet sich aus. Gewalt und Aggression gehören für viele professionelle Helfer zum Arbeitsalltag.

Rangeleien und Beleidigungen, Arbeitsbehinderung und körperliche Angriffe beeinträchtigen in zunehmendem Maße die Einsatztätigkeit von Rettungskräften.

Häufig handelt es sich zwar „nur“ um verbale Angriffe, dennoch sind zwei Drittel der Notärzte und Rettungsassistenten in Ausübung ihres Dienstes bereits mindestens einmal Opfer von Gewalt geworden. Dies belegt erneut eine aktuelle Studie der Ruhruniversität Bochum.

Die Angriffe gehen dabei regelmässig vom Patienten selbst, seinem unmittelbaren Umfeld oder im Einzelfall sogar von zunächst völlig unbeteiligten Personen aus. Egal aus welcher Richtung die Gewalt kommt: Jeder noch so harmlos beginnende Einsatz kann sich innerhalb von Sekunden zur persönlichen Bedrohungslage für den Rettungsdienstleister entwickeln.

Dabei hat jede Einsatzlage ihre Besonderheiten. Ob im häuslichen Umfeld, im öffentlichen Raum, an sozialen Brennpunkten, bei Grossveranstaltungen oder Demonstrationen – Angriffe gegen das Rettungspersonal sind jederzeit möglich.

Die Auslöser können vielfältig sein und sind letztlich nicht berechenbar. So können Drogen- oder Alkoholkonsum ursächlich sein. Aber auch psychische Erkrankungen und schon leichte Verletzungen können  zu einer höheren Gewaltbereitschaft der Beteiligten führen.

Rettungskräfte sind darauf trainiert, ihren Auftrag rasch und zielgerichtet durchzuführen. Im Rahmen der professionellen Notfallversorgung zählt jede Sekunde. Die taktische Eigensicherung darf dabei allerdings nicht vernachlässigt werden.

So müssen beispielsweise bei Einsätzen im Rahmen häuslicher Gewalt zwingend der Patient und das Umfeld hinsichtlich möglicher Attacken auf das Rettungspersonal beobachtet werden. Damit einhergehend muss ggf. eine entsprechende Kommunikation zum Zwecke der Deeskalation erfolgen.

Kommt es tatsächlich zu einem tätlichen Angriff, müssen die Einsatzkräfte über einfache und auch unter Stress schnell abrufbare körperliche Maßnahmen zum persönlichen Selbstschutz verfügen.

Taktische Eigensicherung, Deeskalation und Selbstschutz – Aber wie?

Vor dem Hintergrund der steigenden Gewalt gegen Rettungskräfte wird mittlerweile vielerorts erkannt, dass taktisch richtiges Vorgehen fester Bestandteil des modernen und professionellen Einsatzmanagements im Rettungsdienst sein muss. Zum Schutz der eingesetzten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gibt es keine Alternative.

Um dieses Ziel zu erreichen ist eine qualifizierte Fortbildung unabdingbar.

Die Anwendung von taktischen Prinzipien im Einsatz erfordert dabei zunächst eine offene Auseinandersetzung mit dem Status Quo. Sodann müssen den Einsatzkräften einfache Maßnahmen zur Verbesserung der persönlichen Sicherheit in Ihrem persönlichen Arbeitsumfeld eröffnet werden.

Last but not least muss die Anwendung der taktischen Vorgehensweise im Team unter realitätsnahen Bedingungen trainiert werden.

Im Rahmen entsprechender Trainingsmassnahmen müssen dabei insbesondere vermittelt werden:

  •  Deeskalation und Konfliktmanagement
  •  Einsatzoptimierte Kommunikation
  •  Massnahmen zur persönlichen Eigensicherung
  •  Rechtliche Rahmenbedingungen der Selbstverteidigung
  • Einfache Maßnahmen zur Abwehr körperlicher Angriffe
  • Taktisches Vorgehen im Team

Taktische Einsatztrainings sind also kein „Feuerwehr-Kung Fu.“

Ebenso wenig verfolgen Sie das Zie Rettungskräfte zu Hilfspolizisten auszubilden, auch wenn die zugrundeliegenden Einsatzkonzepte regelmässig polizeilichen Ursprungs sind.

Im Hinblick auf die Verhältnismässigkeit der Massnahmen muss ein Schwerpunkt es Trainings auf der Anwendung von Deeskalationsstrategien liegen.

Zentrale Themen sind hierbei:

  • Optimale Nutzung der persönlichen Stärken
  • Sichere verbale und non-verbale Kommunikation mit dem Patienten und dessen Umfeld
  • Entschärfen von schwierigen Gesprächssituationen durch professionelle Konfliktlösung
  • Präventive Eigensicherung in typischen Gefahrensituationen und unter Stress

Dabei reicht ein theoretischer Wissenstransfer nicht aus. Vielmehr geht es um das praktische Erarbeiten von Handlungsalternativen.

Praxisnahe taktische Einsatztrainings geben Rettungskräften somit die Sicherheit, die sie brauchen.

 

Damit sie ihren täglichen lebensrettenden Auftrag auch im aggressiven Umfeld sicher ausführen können und nicht selbst Opfer der Gewalt werden.

 

 

 

Chris Schmidt

Taktischer Trainer

 

Der Autor ist Taktischer Trainer bei Management Beyond Borders und führt exklusiv in Deutschland taktische Einsatztrainings für Rettungskräfte durch. Mehr Infos unter

http://tacticaltrainings.com/management-beyond-borders

Helfen Sie mit.

Zur laufenden Optimierung der taktischen Einsatztrainings bedarf es ständig aktueller Informationen von der Basis. Machen Sie mit bei unserer bundesweiten Umfrage. Welche Erfahrungen haben Sie mit Gewalt im Einsatz? Wie sollte ein taktisches Einsatztraining für Sie aussehen?

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und beantworten Sie unsere 7 Fragen. Selbstverständlich ist die Umfrage anonym, kostenlos und völlig unverbindlich.

Helfen Sie mit, um den Einsatz von Kollegen sicherer zu machen.

Hier geht es zur Umfrage:

http://tacticaltrainings.com/umfrage-risiko-blaulicht/

 

Aktualisiert ( Sonntag, den 14. August 2011 um 09:35 Uhr )

 

Eigensicherung

Wer regelmässig Rettungsdiensteinsätze fährt wird diese Situationen schon mehrfach erlebt haben. Immer öfter werden Rettungsdienstmitarbeiter mit körperlicher Gewalt konfrontiert.

 

Um  auch in diesen Situationen sicher arbeiten zu können haben wir mit zusammen mit unserern Partnern aus dem polizeilichen Bereich ein Programm zur Eigensicherung im Rettungsdienst konzipiert.

 

Was ist der Unterschied zu anderen Programmen aus diesem Bereich?

Wir legen den Schwerpunkt auf die Prävention und zeigen Möglichkeiten auf, wie man deeskalierend eingreifen kann. Unserer Ausbildungsangebote sind keine Selbstverteidigungskurse und Sie lernen auch keine Angriffstechniken.

Aktualisiert ( Samstag, den 06. November 2010 um 19:32 Uhr )

 


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